Jubiläumsbuch

Das Buch «Kulturgeschichte des Geldflusses – Die Entwicklung des Zahlungsverkehrs mit Fokus Schweiz» erschien anlässlich des 15-jährigen Bestehens vom SIC-System sowie des 25. Jubiläums der Dienstleistungen DTA und LSV. Es wurde im Jahr 2003 publiziert und ist als E-Buch frei verfügbar.

E-Buch

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Buchbesprechung von Prof. Dr. Hans Geiger

Der Zahlungsverkehr genoss traditionell weder in der Bankpraxis noch in der Wissenschaft hohes Ansehen – zu Unrecht. Seit einigen Jahren ist ein Umdenken im Gange. Die sprachliche Wurzel der modernen Finance liegt beim lateinischen Wort «finis» (das Ende) und weist darauf hin, dass eine Markttransaktion erst mit der abschliessenden Zahlung beendet wird. Schon 1776 zeigte Adam Smith in seinem Werk die wohlstandsschaffende Wirkung der Arbeitsteilung. Er legte dar, dass eine arbeitsteilige Wirtschaft nur funktionieren kann, wenn deren Produkte auf Märkten gehandelt werden können. Geld und Zahlungsverkehr bilden damit die Grundlage für das Funktionieren des Preismechanismus und damit des Wohlstandes in der Marktwirtschaft. Es war denn auch der Zahlungsverkehr, und nicht etwa das Kreditgeschäft, der an der Wiege des Bankwesens im vorindustriellen Europa stand.

Fesselnd und unterhaltsam

Die SIX Interbank Clearing AG, welche im Auftrag der Schweizerischen Nationalbank das Zahlungsverkehrssystem SIC betreibt, publiziert zum Anlass des fünfzehnten Geburtstags dieses Systems ein Buch, das sich einerseits den wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Wurzeln des modernen Zahlungsverkehrs widmet, und das andererseits die Entstehung der modernen Zahlungssysteme darstellt. Den Autoren Fritz Klein und Guido Palazzo ist es gelungen, die Welt des Zahlungsverkehrs und des Geldes auf rund 140 Seiten von den Ursprüngen bis zum elektronischen Geld auf eine spannende und unterhaltende Art darzustellen. Das gut strukturierte Buch beschreibt in vier Kapiteln die Entstehung der marktwirtschaftlichen Ordnung und der Banken und die Entwicklung der Zahlungsverkehrssysteme in drei Phasen. Das fünfte Kapitel ist der Zukunft des Geldes und des Zahlungsverkehrs gewidmet. Besonderes Gewicht legen die Autoren auf die Darstellung der Entwicklung in der Schweiz, und sie beleuchten dabei auch die Ursachen für die grosse Bedeutung der Post im schweizerischen Zahlungsverkehr.

Mehr als eine geschichtiche Abhandlung

Das handliche Werk beschränkt sich nicht auf die Darstellung der Geschichte, der Institutionen und der Produkte des Zahlungsverkehrs, es geht auch auf Grundfragen des Handels und des Bezahlens ein. Dazu gehören etwa die Ausführungen über die Risiken im Zahlungsverkehr und über die Rolle des Vertrauens in Personen, Organisationen und Systeme bei der Abwicklung von Markttransaktionen. Im Zusammenhang mit dem Geburtstag des SIC-Systems ist die Schaffung dieses Grundpfeilers der schweizerischen Finanzmarktinfrastruktur in den Jahren 1980 bis 1987 von besonderem Interesse. Damals hat sich die schweizerische Bankbranche mit einem grossen und mutigen Schritt aus dem technologischen Mittelfeld der Bankensysteme gelöst und an die Spitze der Entwicklung gestellt. Heute gehören die Infrastrukturwerke der «Swiss Value Chain» zu den wichtigen Konkurrenzvorteilen des schweizerischen Finanzplatzes. Über SIC werden täglich im Durchschnitt Zahlungen abgewickelt, die im Wert mehr als einem Drittel des jährlichen Bruttoinlandprodukts der Schweiz entsprechen. Das ist ein Zeichen für die hohe Bedeutung des Finanzsektors für die Schweizer Wirtschaft.

Einfluss der Informations-und Kommunikationstechnologie

Die Kapitel vier und fünf geben einen konzentrierten und sehr aktuellen Überblick über die wichtigsten Zahlungsverkehrssysteme und -produkte. Dabei kommen neben schweizerischen auch internationale Systeme wie TARGET und das Continuous Linked Settlement System (CLS) zur Darstellung. Diese Ausführungen zeigen eindrücklich den enormen Einfluss, welchen die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien auf den Handel und das Bezahlen haben. Die neuen Technologien ermöglichen auf globaler Ebene die Anwendung des ältesten Sicherungsprinzips von Handelsgeschäften: Die Abwicklung Zug um Zug. Damit schliesst sich der Kreis von der Darstellung der geschichtlichen Quellen der marktwirtschaftlichen Ordnung bis zur Zukunft digitalen Geldes.

Beschlossen wird das auch für Laien gut verständliche und ansprechend illustrierte Buch durch einen statistischen Anhang, der den Aufstieg und auch Niedergang wichtiger moderner Zahlungsmittel in der Schweiz darstellt.